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Am
5. September 2007 gab es die Meldung, daß Luciano Pavarottis Gesundheitszustand
sich sehr verschlechtert hatte. Am 6. September hatte BIG P. den Kampf
gegen seine schwere Krankheit verloren. Er verstarb wenige Tage vor seinem
72. Geburtstag.
Wie
oft hatte er strahlend "Vincero" aus voller Kehle geschmettert, und das
Publikum begeistert, und doch ist ihm der Sieg über seine 2005 ausgebrochene
Krebserkrankung nicht gegönnt gewesen. Sicher hat er gekämpft, auch schon
weil er sein Töchterchen heranwachsen sehen wollte. Es war ihm dieses
ohnedies getrübte Glück nur wenige Jahre beschieden, und der Verlust des
heiß ersehnten Sohnes hat ihm sicher viel an Substanz abverlangt. Es war
sehr berührend, wie Luciano Pavarotti diesen Schicksalsschlag in einem
Interview schilderte.
Blickt
man zurück, dann sieht man einen noch schlanken jungen Mann, der sich
anschickt, die Bühnen der Welt zu erobern. Ein solider Beruf, Volksschullehrer
war die Basis auf der der junge Luciano aufbauen konnte, als er in den
fünfziger Jahren mit Gesangstunden begann. Er studierte zuerst in Modena
und dann hauptsächlich in Mantua Technik. 1961 nahm er an einem Gesangswettbewerb
teil und gewann als ersten Preis eine Auftrittsmöglichkeit im Teatro Municipale
von Reggio Emilia, und damit war der Anfang einer höchst ungewöhnlichen
und langen Karriere gelegt.
1963
waren dann bereits seine ersten Auftritte im Ausland. Zuerst in Amsterdam
als Edgardo in "Lucia", dann war er in London als Zweitbesetzung für den
Rodolfo in "Bohéme", und als Giuseppe di Stefano dann erkrankte, übernahm
er auch seine Vorstellung und wurde zum Geheimtip. Auch in Wien war 1963
sein Debüt einem Ausfall zu danken, ebenfalls in "Boheme" und kurz danach
als "Rigoletto"-Herzog, wo ich meine erste Begegnung mit Tenorissimo hatte.
Einen
enormen Karrieresprung brachte auch das Angebot von Joan Sutherland und
Richard Bonygne, die Tourneen mit den großen Belcanto Opern mitzugestalten.
Dem Künstlerehepaar war es ein Anliegen die von Callas initiierte Renaissance
der Belcanto Opern fortzuführen, und daher waren interessante junge Partner
sehr gefragt. Luciano Pavarotti hatte an der Seite der Primadonna seinen
Ruf als Ritter des Hohen C begründet, und nach den vielen Jahren an ihrer
Seite dann seine weitere Karriere gestaltet. Er sang an allen großen Häusern
mit großen Dirigenten und großen Sängerkollegen. Sein Repertoire war allerdings
verglichen mit jenen anderer tenoralen Kollegen mit an die zwanzig Partien
eher schmal bemessen. Das hat aber auch sicher bewirkt , daß seine Stimme
bis ins hohe Alter wenige Abnützungen zeigte.
Den
ganz großen Bekanntheitsgrad erreichte er aber durch seine Konzerte. Die
ersten diesbezüglichen Schritte wagte er allein bereits 1978 in New York
mit einem Konzert, das über das Fernsehen übertragen wurde, und die Türen
für die Klassik öffnete. 1990 war dann das erste der Konzerte der " 3
Tenöre" zur Fußballweltmeisterschaft in Rom. Es folgten in den darauf
folgenden Jahren mehrere Konzerte zu dritt, und Klassik, Oper wurden zum
Pop. Als dieses Kapitel zu Ende gegangen war, beschritt Pavarotti einen
weiteren neuen Weg, um die Klassik , wie er meinte, breiter bekannt zu
machen. Er öffnete mit "Pavarotti & Friends" Konzerten über die Schiene
Crossover einen neuen Markt. Auch das war sehr erfolgreich, die Einspielungen
brachen immer wieder Rekorde. Es ist daher auch kaum verwunderlich, wenn
Pavarotti als der Tenor galt, der die meisten LP/CD der Branche verkauft
hatte.
Dies
war die eine Seite Pavarottis, die des medienpräsenten Sängers. Dennoch
den Ruf als Weltklassetenor erreichte er doch über seinen Bühnenrollen.
Den Rodolfo, den Radames, den "Rigoletto"-Herzog, Gustavo in "Maskenball",
"Puritaner", Tonio in der "Regimentochter", Cavaradossi. In den späten
Jahren seiner Karriere wagte er sich dann sogar an Rollen wie den André
Chénier.. Ich war neugierig, aber mit größter Skepsis zu einer dieser
Aufführungen gegangen, bin aber dann angenehm überrascht gewesen. Nicht,
daß die Darstellung besonders eindrucksvoll war, aber die stimmliche Präsenz
war es.
Bei
seinem Wien-Debüt 1963 hatte er mich nicht besonders gefangen genommen,
meine Wertschätzung begann erst später mit "Maskenball", "Aida" und "Liebestrank",
und auch von einigen seiner Platteneinspielungen bin ich nicht restlos
begeistert, aber Qualität war immer vorhanden.. Er hatte in Wien insgesamt
fünfundfünfzig Abende gesungen, was sich gemessen an seinen Kollegen Domingo
und auch Carreras bescheiden ausnimmt.
Neben
seinem künstlerischen Leben war Pavarotti aber auch immer gut für die
Yellow Press, und dies ganz besonders durch die Affäre mit seiner Sekretärin
Nicoletta Mantovani, der darauf folgenden schwierigen Scheidung von seiner
Frau Adua und neuerlichen Verehelichung mit Nicoletta 2003, die ihm schon
zuvor zum späten Vater machte. Beinahe wäre er Vater von Zwillingen geworden,
doch der Knabe überlebte nicht. Über dieses traurige Erlebnis sprach er
sehr rührend und voll Innigkeit. Es war sehr berührend, wie Luciano Pavarotti
diesen Schicksalsschlag in einem Interview schilderte. Man fühlte den
Schmerz und trauerte mit ihm.
Aber
auch seine gesundheitlichen Probleme lieferten immer wieder Schlagzeilen.
So waren es viele Jahre seine Rückenprobleme, teilweise durch sein Übergewicht
bedingt, und eben dieses nebst seinen Diäten sorgten auch immer für Gesprächstoff.
Und dann das bittere Ende duch den Krebs, den auch er nicht besiegen konnte.
Die
Opernwelt, die Musikwelt. hatte eine schillernde Persönlichkeit verloren.
Am 8.September wurde er in Modena unter großer Anteilnahme zu Grabe getragen.
EH
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