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Wieder
hat einer der ganz großen Sänger des vorigen Jahrhunderts diese Welt verlassen.
Es
war schon lange still geworden um den Sänger und seit dem schweren Unfall
bzw. Überfall in Kenia hat sich Pippo, so wie er von seinen Fans ja weltweit
genannt wurde, nie mehr richtig erholt, und sein Gesundheitszustand war,
wie man so hörte, schwierig. Sein Tod am 3. März 2008 kam also nicht gänzlich
unerwartet, aber doch überraschend.
Die
Opernwelt trauert um einen ganz großen Stilisten, um ein unvergleichliches
Timbre. Alle jene die ihn auf der Bühne erlebt hatten ( so wie auch ich
), werden die Stimme nicht vergessen, und wann immer sie von einem Tonträger
kommt, sofort erkennen. Und Erinnerungen werden wach.
Giuseppe
Di Stefano wurde am 24. Juli 1921 in Sizilien geboren, wollte eigentlich
Theologie studieren, aber in der Jesuitenschule in Mailand, wohin er mit
seinen Eltern gezogen war, entdeckte man seine Stimme, und so entschloß
er sich Gesangsunterricht zu nehmen. Der Krieg war eine Unterbrechung
des Studiums und der kaum begonnenen Karriere, aber wann immer Di Stefano
seine Stimme erklingen lassen durfte, bekam er Hilfe.
1946
startet dann seine Bühnenkarriere in Reggio Emilia als Des Grieux in "Manon",
wo er durchschlagenden Erfolg hatte. 1947 stand er bereits auf der Bühne
der Scala, sang in Venedig, in Bologna, in Rom.
Der
Erfolg war überall außerordentlich, und das wurde auch in Amerika bekannt.
Überhaupt war er auf diesem Kontinent von Nord bis Süd unterwegs und sang
an allen großen Opernhäusern. Aber Europa war doch der stärkere Anziehungspunkt
für seine Karriere mit Auftritten in Paris, in London, Berlin neben den
vielen Auftritten auf den Bühnen Italiens. Und wie konnte es auch anders
sein, auch Wien und die Staatsoper riefen ihn. 1957 debütierte er auch
hier als Des Grieux und sang dann bis 1966 über achtzig Mal sehr verschiedene
Rollen wie Radames, Chénier, Rigoletto-Herzog, die er jeweils nur einmal
sang; die größten Erfolge hatte er aber mit dem Gustavo, dem Cavaradossi
und Don José, den er unter Herbert von Karajan sang. Die Wertschätzung
Karajans für Giuseppe Di Stefanos in dieser Rolle war sehr groß, er bezeichnete
ihn als idealen Interpreten der Rolle und war von seinem noblen Gesang
außerordentlich angetan. Doch später gab es Konflikte und eigentlich ein
Zerwürfnis.
1963
sollte nach Jahren des Absenz Giuseppe di Stefano wieder an der Scala
auftreten, doch Karajan bestand auf einen anderen Sänger, und es kam zum
großen Bruch. Die Rückkehr an die Scala folgte dann ein Jahr später im
"Liebestrank" mit Mirella Freni als Partnerin. Mit seinem Nemorino demonstrierte
er die hohe Schule des Belcanto und zeigte ein ungewöhnliches Spieltalent.
Bereits
Mitte der sechziger Jahr hatte der Sänger eigentlich seine Opernkarriere
beendet, mit seiner nicht ganz optimalen Technik aber seiner totalen Verausgabung
hatte er sich über die Jahre sein wunderbares Stimmaterial beschädigt.
Mit
einer gewissen Bitterkeit dem Opernbetrieb gegenüber wandte er sich 1966
der Operette zu und hatte schöne Erfolge. Er sang in Berlin den Sou-Chong
im Land des Lächelns und war damit dann auf Tournee unter anderem in Wien,
wo ich ihn auch erleben durfte. Pippos Karriere auf der Opernbühne erlosch
zu früh, doch sein als exzessiv beschriebener Lebensstil zwang ihn aber
immer wieder zu "Comebacks" zumindest auf der Konzertbühne, denn irgendwie
mußte dieser ja finanziert werden. Und der Name di Stefano sorgte immer
für volle Säle.
Gerade
jetzt wo wir in Wien eine Premiere des "Land des Lächelns" ebenso hatten
wie eine neue "Forza del Destino", (Don Alvaro war eine der Glanzpartien
Di Stefanos) ist schmerzlich bewußt geworden, wie groß die Kluft zwischen
den Größen der Vergangenheit und den heutigen Top Sängern ist, obwohl
viele ihn als ihr Vorbild nennen.
Am
3. März in der Vorstellung "Les Contes d'Hoffmann" wurde Giuseppe Di Stefanos
in einem vollen Haus gedacht, Dir. Holender sprach berührende Abschiedsworte,
und das Publikum verharrte in kurzem stillen Angedenken. Ich glaube, sein
Geist hat die Trauer und die Liebe des Wiener Publikums, das hier stellvertretend
für die ganze Musikwelt stehen soll, gespürt.
Was
an dramatischem Ausdruck, an vokalem Schmelz auf den vielen Tonträgern
des Tenors verewigt ist, bleibt uns erhalten und kann unsere Erinnerung
frisch erhalten. Glanzbeispiele sind Tosca" an der Seite der Callas "Maskenball"
und die "Lucia di Lammermoor", auch "Macht des Schicksals".
Es
ist zu wünschen, zu hoffen, daß aus den Archiven der Opernhäuser, Rundfunkanstalten,
Tonträgerfirmen nun verschiedene vergriffene Aufnahmen neu aufgelegt werden,
und vielleicht dabei auch die eine oder andere neue Entdeckung gemacht
wird.
Wir
werden Pippo nicht vergessen, er wird in unserem Herzen bleiben. EH
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