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Der
aus Princeton, Illinois stammende Tenor Jerry Hadley gab sein Debüt 1976
an der Lake George Opera in "Cosi fan tutte". Bereits zwei Jahre später
engagierte ihn Beverly Sills an die New York City Opera und förderte ihn.
Er feierte dort und anderswo große Erfolge vor allem mit den Tenorpartien
von Mozart, Donizetti, etwas später auch mit Alfredo und dem Duca. 1987
debütierte er als Des Grieux in "Manon" an der Met. Zu seinem Repertoire
gehörten der Tom Rakewell, Werther, Hoffmann und immer wieder Rollen in
modernen amerikanischen Opern. So wirkte er 1999 an der Uraufführung in
der Titelrolle von "The great Gatsby" mit. Neben den Auftritten in den
USA sang er an der Wiener Staatsoper, der Scala, Covent Garden, der Deutschen
Oper Berlin und der Hamburgischen Staatsoper.
Leonard
Bernstein wählte ihn aus für die Titelrolle seiner Aufnahme von "Candide",
wovon auch eine DVD existiert. Dieses Grammy-prämierte Unternehmen gibt
einen guten Eindruck davon, was das Besondere an Jerry Hadley war: Eine
lyrische, gut geführte Stimme, ein überaus lebhaftes Temperament und eine
Spontaneität in Phrasierung und Ausdruck, die immer wieder gut für Überraschungen
gewesen ist.
Jerry
Hadley verstarb im Alter von fünfundfünfzig Jahren am 18. Juli 2007, nachdem
er eine Woche lang nach dem Versuch, freiwillig aus dem Leben zu scheiden,
im Koma lag.
Ich
verdanke Jerry Hadley einen besonderen Moment der Oper, durch den er mir
unvergeßlich bleiben wird.
Ende
der achtziger Jahre trat er in Hamburg in "L'elisir d'amore" auf. Er begeisterte
durch seine Stimme und sein sehr lebendiges Spiel, das immer wieder an
die Grenze des "Zuviel" kam, diese aber nie überschritt. Dann jedoch kam
er zu "Una furtiva lagrima" auf die in ein blaues Licht getauchte Bühne,
setzte sich im Schneidersitz mitten auf den Boden und begann zu singen:
schlicht, ohne Schnörkel, ohne Manierismen, dafür umso mehr zu Herzen
gehend. Für Minuten lang hielt das gesamte Publikum den Atem an, um sich
dann in einem selten gehörten Bravosturm zu entladen.
Erinnern
wir uns an solche Momente. MK
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