|
Ein
wahrhaft großer Sänger hat die Bühne der Welt und der Oper verlassen.
Hans
HOTTER ist am 6. Dezember 2003 verstorben. Für die Musikwelt plötzlich
und unerwartet. Allerorten hatte man sich bereits darauf eingestellt seinen
95. Geburtstag im Jänner 2004 zu feiern.
Wenn
man bei Hans Hotter von einem großen Sänger sprach, dann hatte das eine
doppelte Bedeutung, denn zu seinem großen Können, kam seine überdurchschnittliche
Körpergröße hinzu, und er war somit immer eine überragende Erscheinung.
Dann und wann sogar ein Hindernis, wie man seinen Erzählungen entnehmen
konnte.
Meine
persönlichen Erinnerungen an Hans Hotter liegen sehr lange zurück. Ich
kann mich nur nicht mehr erinnern, ob meine erste Begegnung in einer „Zauberflöte“
oder einem „Don Carlo“ war. Eigentlich auch nicht von Bedeutung. Von Bedeutung
ist für mich die großartige Ausstrahlung, der wunderbare Ausdruck, die
gewaltige Stimme, die für mich lebendig geblieben sind. Sein Großinquisitor
war eine Darstellung der besonderen Klasse, daran messe ich noch heute
die Interpreten. Wenn man mal eine ideale Darstellung erleben durfte,
dann gibt es immer wieder Akzeptanzschwierigkeiten, zumal bei kleineren
Rollen oft auf mittelmäßige Interpreten zurückgegriffen wird (aus welchen
Gründen auch immer).
Hans
Hotter nahm stets vom ersten Moment an, wenn der die Bühne betrat, gefangen.
Er war Großinquisitor (den er in Wien 57 Mal gesungen hat), und man schauderte.
Was würde passieren, würde Philipp sich vor diesem Mann beugen?
Er
war Wotan, er war Don Giovanni, er war Holländer. Mit höchster Begeisterung
sprachen jene Opernbesucher, die Hans Hotter in diesen Rollen gehört hatten.
Für die größte Überraschung sorgten aber seine Interpretationen des Schigolch
in Bergs „Lulu“ und der Lehrer in „Besuch der alten Dame“. Er war auch
ein wunderbarer Interpret der Musik des 20. Jahrhunderts.
Neben
seinen Bühnenrollen widmete sich Hans Hotter stets mit gleicher Intensität
dem Liedgesang, denn damit hatte er begonnen und pflegte dies auch noch
lange nach seinem Abgang von der Opernbühne. Auch hier setzte er Maßstäbe
und ist für viele junge Sänger zum Vorbild geworden. Und damit sind wir
beim letzten Punkt seiner, langen und außerordentlichen Karriere, dem
Unterricht, der Gesangsausbildung, angekommen. Es war ihm stets ein besonderes
Anliegen angehenden jungen Sängern in Meisterklassen einen persönlichen
Schliff zu geben.
Hans
Hotter hat ein halbes Jahrhundert in Wien und der Welt Opern-, Gesangsgeschichte
geschrieben.
Wie
früher üblich begann 1932 seine Karriere an kleinen Opernbühnen , doch
schon bald kamen die großen deutschen Bühnen Hamburg 1934 und München
1937/1938. Wien folgte 1939. 1951 war dann sein Debüt in Bayreuth, ein
Markstein einer jeden Karriere.
Auch
als Regisseur war Hans Hotter mehrmals tätig. Zum letzten Mal auf der
Wiener Staatsopernbühne stand er 1989 als Sprecher in der Zauberflöte.
Sein letzter dokumentierter Auftritt war 1993, im Alter von 82 Jahren,
für eine Schallplatte.
Selbstverständlich
erhielt Hans Hotter jede Menge Ehrungen und Titel, in Wien wurde er 1964
zum Kammersänger ernannt und später zum Ehrenmitglied, was oft weit mehr
geschätzt wird. Zum 90. Geburtstag Hans Hotters hatten wir noch eine schöne
Veranstaltung auf den Brettern, die ihm so viel bedeuteten.
Er
hatte das unendliche Glück, während seiner langen sängerischen Tätigkeit
mit den meisten großen Dirigenten der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts
arbeiten zu dürfen und von allen kam Anerkennung und Wertschätzung. Einer
von ihnen, Herbert von Karajan, schrieb einmal in einem Brief an Hans
Hotter, er habe ihm die Erfüllung von jahrelangen Wunschträumen gebracht.
Welch schöneres Kompliment kann man als Sänger neben dem Applaus und der
Liebe des Publikums noch bekommen?
Es
gibt viele Tondokumente mit Hans Hotter, somit wird uns seine Tätigkeit,
sein künstlerisches Schaffen präsent bleiben und nachfolgenden Sängergenerationen
als Vorbild dienen. Das Schönste bleibt aber stets die eigene Erinnerung
an wunderbare Opernabende. Die Opernwelt trauert um einen großen Künstler,
und wir trauern mit. Elvira Henn
|